Sucht die Chancen, nicht die Hindernisse, steht ganz oben, und darunter fast nichts. Eine Handvoll Unterseiten, keine Diagramme, kein System mit Namen. Ich war schon halb wieder weg von der Seite, als mir aufgefallen ist, wie wenig Suzana Keller eigentlich behauptet.

Sie schreibt von drei Ländern in ihrem Leben, Brasilien, spanische Wurzeln, seit 1990 in der Schweiz, und dann, in einem einzigen Nebensatz, von Höhen und Tiefen, von Umwegen, von Schicksalsschlägen. Kein Wort mehr dazu. Man wartet auf die Geschichte dahinter, auf den Moment, an dem alles gekippt ist, so wie es die meisten Coaching-Seiten inzwischen ausbreiten, mit Datum und Wendepunkt. Bei ihr kommt der nicht. Nur die Umwege selbst, unbenannt, als hätte sie längst entschieden, dass die Einzelheiten niemanden etwas angehen.

Zwei Menschengruppen begleitet sie, Erwachsene und Jugendliche, was für sich genommen nichts Besonderes wäre, gäbe es da nicht diesen einen Halbsatz auf der Jugendseite: mit Einbezug des Umfelds. Kein Kind wird bei ihr für sich allein betrachtet, als läge das Problem sauber abgetrennt in einem einzelnen jungen Menschen. Die Familie gehört dazu, wer auch immer sonst noch. Man liest das leicht, es steht zwischen anderen, ähnlich klingenden Stichworten, Selbstvertrauen, soziale Beziehungen, und doch ist es der Satz, der am längsten hängen bleibt, wenn man die Seite längst wieder zugemacht hat.

Auf der Erwachsenenseite nennt sie die Menschen, die zu ihr kommen, Expertinnen und Experten ihres eigenen Lebens, nicht sie selbst trage die Antworten in sich. Ein Satz, der auf halb den Schweizer Coaching-Seiten in irgendeiner Form auftaucht, austauschbar geworden fast. Doch neben den drei Herkunftsländern, neben den unbenannten Umwegen, bekommt er ein bisschen mehr Gewicht, so als hätte sie selbst einmal gebraucht, dass ihr jemand genau das zutraut, bevor sie es anderen zutrauen konnte.

Was mich am Ende beschäftigt, ist eigentlich nicht das Angebot selbst, das auf der Jugendseite beschrieben wird, sondern die Zurückhaltung, mit der sie über sich spricht. Keine Heldengeschichte, kein Vorher-Nachher-Bild. Nur ein Wegname, Weleweg, und die stille Behauptung, dass jemand, der selbst umgeleitet wurde, vielleicht anders zuhört als jemand, der geradeaus durchgekommen ist.

Ich weiss nicht, was ihre Umwege waren. Und ich glaube, das soll auch so bleiben.

Mehr zu Suzana Keller findest du auf weleweg.ch. Weitere Artikel zu life-coaching-Themen findest du auf mein-coach.ch.