Es gibt einen Raum in Untervaz, in dem niemand etwas leisten muss

mein-coach.ch Redaktion · 2. Juli 2026 · 5 Min.

Nathalie Decurtins, Mon Equilibre, Untervaz

Manchmal träume ich davon, dass ich nicht immer nur blühen muss, sondern Zeit, Ruhe habe, um Kraft für neue Triebe zu sammeln. Das steht auf der Startseite von Mon Equilibre. Ein Zitat von Andrea Schwarz. Und irgendwie bin ich danach nicht weitergescrollt, sondern habe das Handy zur Seite gelegt und aus dem Fenster geschaut.

Nicht immer blühen müssen. Was für ein Satz.

Nathalie Decurtins hat in Untervaz, einem Dorf im Bündnerland, einen Raum geschaffen. Quadrella 9A. Kein grosses Schild, keine Marketingmaschine. Yoga-Kurse für Kinder und Erwachsene. Meditationsabende. Körper- und Energiearbeit. Spirituelle Lebensberatung. Und etwas, das sie therapeutisches Restorative Yin Yoga nennt — und das vielleicht das Leiseste ist, was ich je in einem Kursangebot gelesen habe.

Man liegt. In Kissen, Polstern, Decken, Blöcken. Die Stellungen sind einfach. Sitzend oder liegend. In der eigenen Komfortzone, schreibt sie. Frei von Erwartungs- und Leistungsdruck. Der Körper verweilt. Die Atmung hilft. Das Gedankenkarussell wird gebremst. Und dann kommt irgendwann der Gong. Stille. Sein. Geborgenheit.

Sechs Personen. Maximal. Dienstags, in zwei Zeitfenstern. Mitzubringen: bequeme Kleider, warme Socken, ein grosses und ein kleines Badetuch. Dreissig Franken pro Lektion. Oder hundertfünfunddreissig für fünf, gültig während sechs Wochen.

Ich weiss nicht, warum mich diese Details so berührt haben. Vielleicht, weil sie so konkret sind. So unmittelbar. Da steht nicht: „Transformiere dein Leben.” Da steht: Bring warme Socken mit.

Was Nathalie Decurtins daneben anbietet, geht tiefer. ThetaHealing — eine Methode, die mit der Theta-Frequenz der Gehirnwellen arbeitet, jener sehr langsamen Schwingung von vier bis sieben Zyklen pro Sekunde, die man normalerweise nur in tiefer Meditation oder in der Traumphase erreicht. Spirituelle Lebensberatung bei Erschöpfung, Trennungsschmerz, Ängsten, Kindheitserlebnissen, Mobbing. Und Lichtarbeit, über die sie schreibt, dass sie die Botschaften der geistigen Welt in ihre Arbeit einfliessen lässt.

Man kann damit umgehen, wie man will. Man kann es skeptisch betrachten. Man kann die Augenbrauen hochziehen. Was man auf mein-coach.ch immer wieder beobachtet, ist, dass die Grenze zwischen Komplementärtherapie und spiritueller Begleitung fliessend ist — und dass Menschen, die sich in einer Krise befinden, manchmal genau das brauchen, was nicht in ein Schema passt.

Was mich an ihrem Angebot eigentlich am meisten anspricht, ist die Grundhaltung. Sie schreibt: Es ist für mich klar, dass meine Seele sich über meinen Körper ausdrückt. Meine seelischen Schmerzen verursachen körperliche Symptome, damit ich den Hinweis bekomme und verstehen kann — ich missachte meine Bedürfnisse.

Das ist keine Methode. Das ist eine Überzeugung. Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen jemandem, der eine Technik anbietet, und jemandem, der einen Raum öffnet.

Untervaz. Bündnerland. Berge. Ein kleiner Raum, der fünfzehn Minuten vor Kursbeginn geöffnet wird. Warme Socken. Ein Gong.

Vielleicht reicht das manchmal.