Zwischen Schädel und Kreuzbein liegt eine Stille, die man lernen muss zu hören

mein-coach.ch Redaktion · 2. Juli 2026 · 5 Min.

Franziska Boos, Cranio Balance, Bülach und Niederhasli

Manchmal findet man Dinge, wenn man gar nicht danach sucht. Ich war eigentlich auf der Suche nach etwas völlig anderem, irgendein Artikel über Komplementärmedizin im Zürcher Unterland, und dann war da plötzlich diese Seite. Cranio Balance. Ein ruhiger Name. Kein Ausrufezeichen. Kein Versprechen. Nur: Balance.

Und dann dieser Satz auf der Startseite, der mich hat stehenbleiben lassen: In dieser Therapiemethode verbinden sich wissenschaftliche Erkenntnisse und die intuitive, fein geschulte Wahrnehmung der Praktizierenden auf einzigartige Weise.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in letzter Zeit so viel gelesen habe über Methoden, die entweder ganz auf Wissenschaft pochen oder ganz auf Intuition setzen. Als ob das Gegensätze wären. Als ob man sich entscheiden müsste. Und dann kommt jemand daher und sagt: beides. Gleichzeitig. Und es klingt nicht nach Kompromiss, sondern nach etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Franziska Boos also. KomplementärTherapeutin mit eidgenössischem Diplom, Methode Craniosacral Therapie. Das eidgenössische Diplom — das ist nicht irgendein Zertifikat, das man an einem Wochenende bekommt. Die Craniosacral Therapie gehört zu den ersten Methoden, die in der Schweiz eidgenössisch als Komplementärtherapie anerkannt wurden. Das heisst: geprüft, reguliert, krankenkassenanerkannt. Und Franziska Boos hat diesen ganzen Weg gemacht.

Was mich an ihrer Geschichte berührt hat, ist der Umweg. Ursprünglich kaufmännische Angestellte, dann Marketingplanerin FA, dann acht Jahre in einem Gesundheitsverlag. Acht Jahre, in denen sie den Gesundheitsmarkt von innen kennengelernt hat. Die Sparten, die Methoden, die Fachleute. Und irgendwann, schreibt sie auf ihrer Website, wurde aus Interesse Überzeugung. Durch persönliche Erfolge auf ihrem eigenen Therapieweg.

Das ist vielleicht der leiseste Satz auf der ganzen Seite. Und doch sagt er alles. Sie hat es zuerst selbst erlebt. Und dann entschieden, es weiterzugeben.

Craniosacral Therapie — für alle, die sich das noch nie angeschaut haben: Der Name setzt sich zusammen aus Cranium, dem Schädel, und Sakrum, dem Kreuzbein. Zwischen diesen beiden Polen pulsiert die Gehirnflüssigkeit in einem eigenen Rhythmus. Sanft. Ständig. Die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass es diesen Rhythmus gibt. Die Therapeutin ertastet ihn. Und arbeitet damit. Nicht gegen den Körper. Mit ihm. Auf der Behandlungsliege, in bequemer Kleidung, mit Berührungen, die so leicht sind, dass man sich manchmal fragt, ob überhaupt etwas passiert. Und dann passiert es doch.

Chronische Schmerzen. Migräne. Schlafstörungen. Verdauungsprobleme. Tinnitus. Kieferprobleme. Aber auch Erschöpfung, Unruhe, emotionale Themen, die sich im Körper festgesetzt haben. Die Liste der Indikationen ist lang — und doch geht es eigentlich immer um dasselbe: der Körper hat ein Ungleichgewicht, und die Therapie hilft ihm, seinen eigenen Weg zurück zur Balance zu finden.

Was mich dann doch noch überrascht hat: Franziska Boos bietet nicht nur Therapie an. Sie supervisiert auch andere KomplementärTherapeuten und begleitet sie bei der Vorbereitung auf die höhere Fachprüfung. Das heisst, sie gibt weiter, was sie gelernt hat. Nicht nur an Klienten, sondern an die nächste Generation von Therapeuten. Das spricht für eine Tiefe in der Auseinandersetzung mit dem Fach, die über den Praxisalltag hinausgeht.

Zwei Standorte. Bülach, Kasernenstrasse. Niederhasli, Bergstrasse. Montag bis Freitag, oder nach Vereinbarung. Alles sehr ruhig aufgebaut. Kein Marketinglärm. Kein Funnel. Eine Praxis, eine Therapeutin, zwei Hände. Und ein Rhythmus, den die meisten noch nie gehört haben.

Irgendwo zwischen Schädel und Kreuzbein, dachte ich, als ich die Seite wieder geschlossen habe. Irgendwo dort liegt vielleicht etwas, das wir vergessen haben zuzuhören.

Vielleicht.