In Filisur gibt es eine Frau, die seit fast dreissig Jahren Hände auflegt — und nie aufgehört hat zu lernen

mein-coach.ch Redaktion · 2. Juli 2026 · 5 Min.

Elisabeth Barandun, Lotus-Sonne, Filisur / Chur / Sargans

Filisur. Albulatal. Wer dort schon einmal war, weiss, wie die Luft riecht. Nach Stein und Holz und etwas, das man nicht benennen kann. Ein Bündner Dorf, in dem die Berge so nah stehen, dass man meint, sie hörten zu.

Und irgendwo in diesem Dorf, Plazziel 6, steht ein Studio. Lotus-Sonne. Der Name klingt nach etwas, das man vielleicht übersieht, wenn man schnell durchscrollt. Und genau das wäre ein Fehler.

Elisabeth Barandun arbeitet seit 1996 mit dem Körper. Damals hat sie die Ausbildung zur ärztlich diplomierten Masseurin abgeschlossen. Seitdem hat sie nicht aufgehört. Nicht ein einziges Mal. Wenn man die Liste ihrer Aus- und Weiterbildungen auf der Über-mich-Seite liest, dann sieht man nicht eine Karriere, sondern einen Weg. Einen, der sich Schritt für Schritt erweitert hat. Cellulite-Behandlung 1999. Energetische Massage 2002. Kopfschmerz- und Migränetherapie im gleichen Jahr. Dann Bachblüten-Beratung. Ayurvedische Massagen. Lomi Lomi Nui. Reiki, erst Stufe eins, dann zwei, dann drei, dann Lehrerin. Hot Stone. Fussreflexmassage. Tibetische Massage San Nye. Tara Mana Massage. Metamorphosebehandlung. Silencehealing. Und dann, 2023, noch eine Ausbildung zur zertifizierten psychologischen Beraterin und Lebensberaterin an der Heilpraktikerschule Isolde Richter. Und 2025 eine Weiterbildung zum Thema Narzissmus.

Fast dreissig Jahre. Fast dreissig Jahre, in denen diese Frau nie gesagt hat: Jetzt reicht es, jetzt kann ich genug. Sondern immer weiter dazugelernt hat. Wie jemand, der einen Garten pflegt und jedes Jahr ein neues Beet anlegt.

Und dann liest man ihre Philosophie, und da steht ein Satz, der eigentlich ganz einfach ist: Gehe bewusst die Strasse deines Lebens, die dich zu dir selbst führt, denn dort bist du zu Hause. Und man merkt, dass das bei ihr keine Floskel ist. Das ist jemand, der in Filisur aufgewachsen ist, dort geblieben ist, sich dort weiterentwickelt hat. Beruflich und persönlich. Als Mutter, als Masseurin, als Therapeutin. Der Ort und die Person sind nicht zu trennen.

Was mich vielleicht am meisten überrascht hat: die Breite des Angebots und gleichzeitig die Klarheit dahinter. Sie schreibt, irgendwann sei ihr bewusst geworden, dass sie nicht nur den Körper behandeln, sondern auch Geist und Seele einbeziehen wolle. Und genau das tut sie. Reiki für die Selbstheilungskräfte. Energetische Massagen für die Blockaden. Bachblüten für die emotionalen Themen. Lebensberatung für das, was sich nicht wegmassieren lässt.

Drei Standorte inzwischen. Filisur, wo alles angefangen hat. Chur, im Hotel Chur am Welschdörfli. Und Sargans. Als hätte sich der Weg, den sie gegangen ist, langsam ausgedehnt, wie Ringe auf dem Wasser.

Und doch kommt man beim Lesen ihrer Website immer wieder zurück nach Filisur. Zu diesem Dorf. Zu diesen Bergen. Zu einer Frau, die dort sitzt und sagt: Damit deine Seele wieder atmen kann.

Manchmal frage ich mich, ob es Orte gibt, die Menschen zu dem machen, was sie sind. Und ob Filisur so ein Ort ist. Und ob Elisabeth Barandun, wenn sie abends aus dem Studio geht und die Berge sieht, vielleicht genau das denkt.

Vielleicht auch nicht. Vielleicht geht sie einfach nach Hause.